Ich bin fix und fertig für heute. An keinem Tag im Jahr werde ich mehr daran erinnert, dass mir zum Zeitpunkt meiner Geburt zugeschrieben wurde, dass ich ein Mann wäre... nicht nur, dass ich von allen Verwandten, die keine ahnung haben, was sie mir schenken sollen, dieses eklig stinkende Männerduschzeug bekomme... nein! Ich wurde heute von meiner Mutter bestimmt 6 mal als ihr Sohn bezeichnet. (Zur Vollständigkeit: ich kann es ihr aber nicht vorwerfen, bin vor den meisten menschen, meiner familie eingeschlossen, nicht out). Innerlich schrie ich förmlich nur "ich weiß, du wirst mich wohl kaum als deine Tochter bezeichnen, aber sprech doch von mir wenigstens als dein Kind und nicht dein Sohn!". Ich habe mich jetzt zurückgezogen und fühle mich jetzt einfach nur einsam. Alle Leute, die davon wissen, dass ich Trans bin, sind gerade selbst bei ihrer Familie oder liegen schon im bett. Also, habe ich niemanden zum reden. Ich quäle mich mit der Frage, ob ich mich irgendwann trauen werde es meiner Mutter zu sagen, mit der Frage, wie sie wohl reagieren würde und mit der Frage, wie lange das noch so weiter gehen kann.

  • Ich wünsche dir alle Kraft die du brauchst und es wird definitiv nicht einfach es deiner Familie zu sagen, vor allem wenn diese vielleicht eher konservativ eingestellt sind, aber du hast vollkommen Recht, es kann so nicht ewig weitergehen. Hier sind aber auf jeden Fall Leute die dir zuhören und bei denen du dich auskotzen kannst 😊

    Hm... ich würde meine Mutter nicht als sonderlich konservativ einschätzen, aber auch nicht wirklich als progressiv. Ich bin mir sicher, nicht verstoßen zu werden oder so. Ich befürchte aber, dass ich nicht für voll genommen werden könnte. Und ich habe auch Angst, dass das Verhältnis zwischen mir und ihr dabei irgendwie komisch werden könnte :/

    Komischer als es gerade zu seien scheint? Und darf ich fragen, nimmst du HRT oder aktuell nur social Transition, weil du meinst außerhalb der Familie misgendered dich niemand aber innerhalb der Familie alle, da du halt nicht out bist. Edit: Wiederholung entfernt

    Ich mache jetzt seit ca. 2 Monaten DIY, also sieht man mir NOCH nichts an. Außerhalb der Familie wissen es ein par Leute, die mich privat richtig ansprechen aber es öffentlich vermeiden gegenderte Wörter für mich zu nutzen (auf meinen wunsch).

    Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Mutter, und würde es in keinster Weise als komisch bezeichnen.

    Ah ok, das freut mich sehr zu hören, es scheint dich nur zu belasten, dass sie dich als ihren Sohn sieht. Und wenn du so ein gutes Verhältnis hast, denkst du denn wirklich es könnte schlimmer werden als der konstante Schmerz durchs misgendern wenn du ihr die Wahrheit sagst? Du musst es ja so oder so tun wenn du auf HRT bist, da du die Auswirkungen ja schlecht ewig verstecken kannst 🤔

    Ja, früher oder später werde ich das aus den offensichtlichen Gründen tun müssen...

    Das Problem was ich sehe ist, dass meine Mutter eine Person ist, dir sehr bedacht daran ist mich zu schützen, auch wenn das nicht immer unbedingt das beste für mich ist. Es gab z.B. eine Situation, in der ich auf Ein Festival gegangen bin, auf dem es auch einen Swimming Pool gibt. Sie wollte mich damals davon abhalten dort zu schwimmen, weil ja Fotos gemacht werden könnten, und sich dann Leute über mich lustig machen könnten (kontext: ich bin jetzt nicht gerade dünn '). Ich weiß, sie meinte es gut, aber hat dabei nicht gemerkt, dass sie da nicht gerade mein Selbstbewusstsein mit pushed. Ich bin dort dann am Ende tatsächlich nicht schwimmen gegangen.

    Ich befürchte, dass sie ähnlich damit umgehen würde, wenn ich ihr sage, dass ich als Frau leben will und sie mich davon überzeugen will, es geheim zu halten ._.

    Dann musst du ihr klar machen, dass ein Verleugnen deines wahren Selbst zu viel mehr Leid führen würde, als es deine Wahrheit zu leben jemals könnte. Vllt sagst du ihr auch nicht, dass du als Frau leben willst sondern einfach, dass du eine bist. Überleg dir am besten mit welchen Worten du sie am besten erreichen kannst um ihr deinen Standpunkt klar zu machen, das hat zumindest mir mit meinem Vater geholfen aber natürlich ymmv.

    Ich hoffe ja immer, dass sie irgendwie selbst drauf kommt aber... selbst in Situationen, in denen es für einige WIRKLICH offensichtlich gewesen wäre kam nichts... sie ahnt vermutlich GARNICHTS...

    Weniger mit dieser Welt zu tun zu haben als sie, kann man vermutlich garnicht...

    Ach natürlich kommt die da nicht selber drauf. Ich hab über 30 Jahre gebraucht um es bei mir selbst zu checken obwohl es im Nachhinein so offensichtlich war, dass ich mir auch einfach hätte "Egg" auf die Stirn tätowieren lassen können 😅 Wir sind 0,5% der Bevölkerung es ist leider total verständlich, dass die meisten Leute wenig Ahnung von uns haben...

  • Was hält dich davon ab dich zu outen?

    Wäre das nicht das schönste Weihnachtsgeschenk an dich selbst? 🤔

    Vermutlich schon, ja. Aber mit fehlt der nötige Mut.

    Wie weit ist dein Umfeld darüber informiert, hast du mal etwas dazu verlauten lassen?

    Die meisten Leute in meinem Freundeskreis wissen es und 2-3 Leute auf der Arbeit. Vor meinen Freunden habe ich mich damals ehrlichgesagt nur getraut, weil ich sehr betrunken war. Und die Leute auf der Arbeit sind selbst queer, weshalb Ich da keine Angst mehr hatte.

    Hast du mal überlegt das ganze subtil bei deiner Mutter anzuschneiden? Mal dezent ein Kleidungsstück offen liegen lassen. Sobald ihr ins Gespräch kommt, könntest du erwähnen es ist deins und gefällt dir.

    Ja überlegt habe ich mir das schonmal, aber getraut habe ich nich am Ende nicht...

  • Dieses unnötig gegenderte duschzeug nervt total! War bei mir dasselbe nur andersrum. Es ist echt nicht schwer etwas neutrales was wirklich jedem gefällt zu schenken (Geld, Gutscheine, Schokolade, etc..)

    Hab das duschzeug direkt an meinen Stiefvater weiter weiterverschenkt mit der Aussage "will das wer? Ich will nicht nach 'Mann' riechen" 😅

    Jap, habe es auch einfach meiner mutter gegeben. Blöd nur, dass man dann selber ohne geschenk bleibt aber naja