Also ich war mein ganzes Leben lang "alleine". Ich hatte nie eine Beziehung, irgendwelche Verpflichtungen wie Kinder oder gar Freunde seit meinem 18. Lebensjahr. Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich mir gar nicht vorstellen kann, mein Leben mit Irgendwem zu teilen – die Freiheit ist einfach viel zu schön.

Ich kann Entscheidungungen nur für mich treffen, muss aber auch alleine mit den Konsequenzen leben. Ich kann mein Hab und Gut auf ein Minimum reduzieren (lebe auf 11 Quadrameter bspw.) und bin dadurch noch freier.

Wie soll aus so einem Leben Eines werden, dass auf Gesellschaftlichkeit fußt, wenn nicht finanzielle Zwänge bzw. Abhänigkeiten das bedingen? Habt ihr das mal mitgemacht ode bei einem Anderen erlebt?

  • Beobachte tendenziell eher das Gegenteil. Je mehr Beziehungserfahrung und sonstige soziale Kreise hinter ihnen liegen, desto eher bevorzugen Männer bewusst das Alleinsein.

  • Damn. Hab mir heute genau das Gleiche gedacht, bin aber auch zu keiner Lösung gekommen. Bin gespannt auf die Kommentare, vielleicht werde ich diesen nochmal editieren und meine Einsichten geben.

    Was ich sagen kann, ist, dass auch, wenn ich mich super gerne mit anderen austausche und auch gerne mit jemanden zusammen sein möchte, merke ich trotzdem, wie stark mir (egal wer, selbst super liebe) Menschen jegliche Energie ziehen und ich am Ende des Tages, wenn ich nach Hause komme, erstmal gegen eine Wand starren muss!

    Vielleicht bist Du ein sogenannter Mensch, welcher sich gefühlt freundlich/interessiert verhält, weil er muss statt es zu wollen. Das kann einem viel Energie nehmen. Man steht unter Spannung und will es allen Recht machen und nichts Falsches sagen. Vielleicht bist Du auch wirklich introvertiert, wenn Dir wirklich alle sozialen Kontakte die Energie nehmen.

    Mit dem Ersten Teil hast du zu hundert Prozent recht, ich gebe mich freundlich und interessiert, um gemocht oder nicht ausgeschlossen zu werden. Innerlich sieht es dann manchmal schnell anders aus, weil ich Gefühle nicht richtig nach außen tragen oder überhaupt richtig wahrnehmen kann und das schnell zu Überreizung oder Genervtheit umschlägt, weiß nur nicht wie ich das ändern soll.

    Mit der Introversion stimmt auch. Vielleicht bin ich sogar noch introvertierter als ich mir eingestehen will, weil sonst habe ich das Gefühl würden mich einige Menschen nicht mehr mögen oder Irritiert sein. 

    Ändern kannst Du das mit einer stabilen Persönlichkeit. Vielleicht hast Du toxische Freunde in Deinem Umkreis, welche Dich zwar wie ein Bruder behandeln aber Dich emotional sehr mitnehmen. Sei es das übermäßige Fordern Deinerseits, die Art der Interaktion wo sie eine Antwort von Dir erwarten, Dich aber direkt sehr schnell verurteilen, Deine Probleme klein reden oder Dich aus ihrer Sicht spielerisch hänseln was aber in Gruppen zu einem unterschwelligen Mobbing wird. Ich würde den Kontakt zu diesen Personen einstellen. Allgemein Dein Selbstwertgefühl steigern, welches dann um einiges einfacher ist ohne den Ballast im Nacken. Dann mit der Zeit anfangen unpopuläre Meinungen Deinerseits mit Humor mitzuteilen, falls Du aus persönlicher Überzeugung etwas nicht zustimmen kannst. Empathie ist wichtig. Das trainierst Du. Irgendwann wirst Du auch in Ausnahmensituationen etwas besser mit Menschen umgehen können. Am Ende wirst Du im Besten Fall eine Gleichgültige Persönlichkeit und Interaktionen werden Dir nicht mehr so viel Energie nehmen. Alles kann, nichts muss ist die Devise in Allerlei.

    All das kann natürlich Quark sein, wenn Du eine wirklich stark introvertierte Persönlichkeit bist. Auch ich bin eher introvertiert bin aber in Gruppen sehr beliebt und habe nicht mehr das Gefühl, dass Interaktionen mir die Energie rauben. Außer man hängt einen kompletten Tag mit den selben Personen. Deiner Aussage nach wirkst Du auf mich wie heute umgangssprachlich genannt wie ein people pleaser. Personen, die sich ihrer selbst im Weg stehen und alles Recht machen wollen.

    Erstmal danke für deinen ausführlichen Text. Ja, ich versuche, die Tipps mal anzuwenden. Ich werde bald auch mal wieder nach einem Therapieplatz schauen.

  • Ich glaube das was du beschreibst durchleben eigentlich die meisten Leute irgendwann nach Schule und Ausbildung. Von allen Freiheiten und Möglichkeiten in ein Leben mit Verpflichtungen. 

    Also dass der Bekanntenkreis kleiner wird bestimmt. Aber ich würde anzweifeln, dass "die meisten Leute" tatsächlich zu Einzelgängern werden. Man hat nur einfach weniger Zeit, die man dementsprechend auch nur auf weniger Leute verteilen kann. Aber wenn man von Natur aus ein geselliger Mensch ist, wird man eher kein Einzelgänger nach dem Berufseintritt. Ich habe auch öfter mal 80 Stunden Wochen und bekomme es auch mit bald Mitte 30 irgendwie noch hin einen überschaubaren Freundeskreis zu halten.

  • Ich kenne ein paar Leute, die recht wenig Sozialkontakte hatten, weil sie zb. ängstlich oder sehr schüchtern waren. Da hat sich das oft mit dem Alter gelegt. Solche Leute werden natürlich nie so der Typ Vorsitzender vom Schützenverein oder Gartenparties schmeißen, sondern sind nur ein bisschen zugänglicher

    So richtige selbsgewählte Einzelgänger bleiben denke ich ihr Leben lang so. Wenn man mit diesem Leben zufrieden ist, dann sollten man auch nicht dagegen ankämpfen.

  • Irgendwie schon. Hatte in meine frühen 20ern wenig enge soziale Kontakte und auch nicht das Verlangen danach, bei sozialen Veranstaltungen mit vielen Unbekannten brauchte ich immer eine bekannte Person als Anker und hab das nie genossen. Heute gehe ich gerne auf solche Anlässe und kann relativ selbsticher und offen auf Leute zugehen und ich habe auch einen größeren Freundeskreis.

    Das ist cool zu hören. Freut mich, dass du so Veranstaltungen besser genießen kannst, daran arbeite ich auch Stück für Stück. 

  • Fragst du das, weil du gerne Beziehungen zu anderen Menschen hättest? Falls ja, ist das doch der beste Anfang.

    Aber um auf deine Frage zu antworten: Nicht wirklich, aber das liegt wahrscheinlich in der Natur der Sache. Besagte Einzelgänger hatten natürlich auch umgekehrt nie eine Beziehung zu mir, über die ich sowas hätte mitkriegen können.

  • Wir sind (in der Mehrheit) soziale Wesen, die Gemeinschaft brauchen. Auch moderne Einzelgänger nehmen an Gemeinschaft teil, aber eher abstrahiert über Geld. Du kannst nur ein relativ sorgloser Einzelgänger sein, weil du an der infrastruktur der Gemeinschaft teilnimmt. Wie man.zu Gemeinschaft kommt? ZB über Not, wenn man sein Leben nicht mehr alleine führen kann. Oder durch einen Bruch im Leben (zb lebensbedrohliche Krankheit). Oder durch eine chemische Gehirnstörung (= Verliebt sein) ;-) Es gab schon immer Einzelgänger, aber in der Natur brauchen Menschen andere Menschen zum Überleben. Dass Gemeinschaft auch immer limitiert, ist auch klar. Macht halt jeder seine persönliche Rechnung.

  • Kann da ganz gut von mir sprechen. War bis 22 eigentlich, nur hinterm Rechner, außer mit den jungs draußen und am kiffen. Soziales wrack. Danach ein wenig sozialer geworden als ich angefangen habe meine Ziele zu verfolgen. Ob Finanziell, Gesundheitlich, Persönlich. Bodybuilding hat mir da persönlich einen guten Push gegeben. Obs das Dazugehörige gesteigerte Selbstbewusstsein war, oder ob ich einfach älter geworden bin dadurch etwas mehr raus gekommen bin weiß ich nicht. Hab dann mit 23, meine jetzige Frau getroffen. Fast foward und habe sie mit 25 geheiratet. Und jetzt bin ich wieder unglücklicher als ichs vorher war.

    Das interessiert mich. Warum unglücklich? Ist es die Verantwortung? Das tägliche Beisammensein? Oder vielleicht der arbeitstechnische wie soziale Druck im Alter?

  • Hab auch sehr sehr lange allein gelebt, bevor ich in Beziehung kam. 

  • Hmm in Teilen.

    Bis etwa 20 totales Mauerblümchen. Dann von zuhause weg fürs Studium. Studentenverbindung mit internationalen Connections mitziehen lassen… Wilde 5 Jahre. 

    Danach wird aber recht klar: das meiste geht nur über (Sport)Vereine oder Ähnliches. Mal so im Club wen kennen lernen eher selten…

  • Ja, meine.

    Habe immer alleine gelebt. Affären, Freundinnen: ja. Zusammenziehen: nein.

    Urlaube, Freizeit, Hobbies alleine? Kein Problem. War immer gut. Maximale Freiheit.

    Mit Ende 30 dann Partnerin Ehe Kinder Immobilie Van. Das komplette Spießerprogramm.

    Ein komplett anderes Leben gewählt.🤷‍♂️

  • 11qm ist wild

    München ist teuer.

    Das stimmt wohl

    WG-Zimmer oder Zimmer im Elternhaus?

    WG-Zimmer

    Du wohnst in einer WG, und bist der Meinung, dass Du dein Leben mit niemandem teilst? Was ist denn das für eine WG?

    Ist eine Zweck-WG. Wir teilen keine Leben, nur Kosten.

    Das heißt, ihr kocht nicht gemeinsam, und ihr redet auch nie wirklich miteinander? Jeder hängt auf seinem Zimmer ab und geht nur dann auf Klo und in die Küche, wenn es nicht anders geht?

    Genau das und je rarer ich mich mache, desto besser für mich. Mein Mitbewohner ist auch gleichzeitig mein Vermieter — da hält man alles auf geschäftlicher Ebene.

    Na das hört sich ja nach ganz besonders viel Freiheit an.

    Korrekt. In einer romantischen Beziehung mit einer Frau müsste ich an ihr Leben teilnehmen, mit ihr das Bett teilen und mir irgendwelche Probleme anhören. Da ich nie eine Frau traf, mit der ich alles oben genannte freiwillig getan hätte (oder sie mit mir), erübrigt sich das. Das WG-Leben ist ein Kompromiss aus nötiger Verpflichtung und Freiheit.

  • Ja so mit Anfang 30 geschieht das oft

  • Emotionales Bedürfnis. Wenn du glücklich so bist, wie du lebst, wirst du entsprechend auch nichts ändern. Wenn irgendwann der Punkt kommen sollte, an dem du emotionale Nähe und Gemütlichkeit der absoluten Freiheit vorziehst, dann wirst du auch anfangen, für ersteres Kompromisse im letzteren zu machen.

    Meine persönliche Vermutung ist, dass das irgendwann zu einem gewissen Grad passieren wird. Der Mensch ist am Ende ein soziales Wesen.
    Das heißt nicht, dass du alles über Bord werfen und ein Verfechter der nuklearen Familie werden wirst, aber ich vermute, dass du dich nicht in deinem aktuellen Extrem für unbegrenzte Zeit halten wirst.

  • sitze seit 31 allein vorm rechner kA wie ich das ändern soll hab zwar online freunde die wohnen aber weiter weg